Wohnzimmer der Wunder











Was ist das komischste Gefühl auf Erden?

Wenn man eine Kultur, die man lange Zeit nicht verstanden hat und dann doch plötzlich Teil von ihr wurde, verlassen muss. Und, dass man niemals zu jenem Leben welches man geführt hat zurückkehren kann ; ja man sogar in vielen Dingen ersetzt wird. Doch das Komischste am Ganzen ist, das einem bewusst ist das niemand dieses Gefühl nach vollziehen kann.  Wenn man dann noch erkennt, daß noch nie eine Zeit existierte in der man weniger Plan von der Zukunft hat wird das Ganze schon ziemlich beängstigend. Andererseits freut man sich auf all die Dinge nach denen man sich das ganze Jahr über gesehnt hat. Als Dauerreisende sollte mich langsam an dieses Gefühlschaos gewöhnt haben aber es trifft mich immer wieder von Neuem mit aller Wucht. Ich habe Angst. Angst vor Unverständnis. Angst in dem Puzzle welchem ich mich, als perfekt passendes Teil, entzogen habe nie wieder ganz meinen Platz zu finden. Die Angst wird begleitet von Widerwillen. Ich will gar nicht zurück in die Rolle die mir vorher wie angegossen passte. Wahrscheinlich weil ich weiß wie schnell dieser Anpassungsprozess im Endeffekt wieder gehen wird. Ich weiß, dass ich romantisiere. Das Jahr war nicht immer einfach und manchmal habe ich am Sinn dessen gezweifelt.  Trotzdem spiegelt es für mich eine Zeit wieder in der ich trotz der üblichen Obligationen eine unglaubliche Freiheit erleben durfte. Eine Zeit, in der ich eine Liebe zu meiner Arbeit entwickelt habe. Wenn mich jemand fragt wie ich meiner baldigen Rückkehr entgegensehe meine ich immer, dass ich das Krankenhaus am liebsten mitnehmen würde. Man soll ja immer gehen wenn es am Schönsten ist... Aber es ist nicht gesagt, dass es einfach wird.

Die letzten Tage gab ich meiner Familie einen kleinen Crashkurs in bolivianischer Kultur. Wir kochten Sopa de Maní, tranken Pórro, kauten Koka, verbrachten nächtelang in Bussen und erforschten zahlreiche Märkte. Santa Cruz ; Camiri ; Sucre ; Salar de Uyuni ; La Paz. Obwohl ich mich fühlte als würde ich einen Rundgang durch mein eigenes Wohnzimmer machen, überraschte mich Bolivien trotzdem nochmals mit seiner Vielfalt. Ich sah Dinge die mich wirklich zum Staunen brachten und von dessen Existenz ich nicht mal geträumt hatte. Es war, als würde man schon etliche Male durch den gleichen Raum gegangen sein und beim näheren Hinsehen Dinge entdeckt, deren Schönheit einem vorher entgangen waren. . Wahrscheinlich wird mir die Schönheit vieler Dinge auch erst auffallen, wenn sie tausende Kilometer von mir entfernt sind. Flugscham hin oder her, einen Tag werde ich wohl zurückkehren denn, obwohl ich es anfangs kaum für möglich gehalten hätte, habe ich einen Teil meines Herzens an Bolivien verloren...


Clarita



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