Las Nubes
Schwups war der Abflugtag da. Am Abend zuvor noch schnell
die letzten Süßigkeiten aus dem Koffer geschmissen, damit die 23 Kilo auch nicht
groß überschritten werden würden. Und dann zum letzten Mal übermüdet ins eigene
Bett gekippt nur, um am nächsten Morgen vor Aufregung viel zu früh aufzuwachen.
Stressen hätte ich mich eh nicht müssen, da die Deutsche Bahn wie immer
Verspätung hatte. Zum Glück fühlte sich die Wartezeit auf den Zug mit Familie
und Freunden viel kürzer an. Zu kurz für meinen Geschmack... Zum Glück hatte
ich neben meinem Backpacker und meinem Koffer noch meine Schwester, meinen
Freund und eine Sonnenblume im Gepäck. So ließ es sich auf der Zugfahrt nach
Frankfurt aushalten.
Auch dort erwartete uns Getümmel aufgrund des
herannahenden Unwetters. Der ganze Frankfurter Flughafen lahm gelegt, sagten
Stimmen aus dem Radio. Aufruhr. Flug gecancelt? Verspätet? Im Endeffekt flogen
wir nur ein paar Minuten später los. Jedoch erst nachdem ein paar Tränen
geflossen waren. Es ist ein ganz anderes Gefühl des Abschieds. Man weiß nicht
richtig, was in diesem Jahr auf einen zukommt und andererseits auch nicht, was
das Leben danach für einen bereit hält. Unsicherheit ist das Stichwort.
Wahrscheinlich das A und O bei solch einem Vorhaben.
Neben einer weiteren Verspätung, bei der die Hälfte unserer Mannschaft fast vor
Hunger umgekommen war, verging die restliche Zeit wie im Flug. Ha.
Meine Ohropax verhalfen mir zu einem erstaunlich erholsamen Schlaf, welcher fast
die gesamte Flugzeit andauerte. Ohne den würde ich um 03:30 Uhr deutscher Zeit
jetzt hier auch nicht im Hostel sitzen und schreiben. Nach der Landung ging es
rasch durch die Migracion und dann weiter zur Gepäckausgabe. Am Ausgang
erwartete uns dann auch schon Max Steiner, der Gründer von unserer
Partnerorganisation HI-Bolivia, hier Vorort. Außerdem zwei Busse, welche uns zu
unserem sehr komfortabelen Hostel in der Innenstadt von Santa Cruz brachten.
Nach einem leckeren Frühstück mit traditionellem Koka-Tee und Dulche de Leche
Aufstrich auf Toast ging es weiter zu einem Seminar, um unserem Jetlag
entgegenzuwirken. Hat geklappt. Ich bin noch immer wach. Das Seminar forderte
wirklich höchste Konzentration. Obwohl man sich von Max herzigem Schweizerdeutsch
berieseln lassen konnte, lernte man eine Menge. Eine ganz persönliche Lektion
war für mich zum Beispiel, dass man die Türschlösser der Toiletten lieber im
Voraus auf Ihre Funktion überprüfen sollte. Ich steckte nämlich erst mal fest.
Bis ich dann über ein kleines Fenster mit meinem stokeligen Spanisch
kommunizierend von einigen Bolivianern befreit werden konnte. Ein
Schlosserlebnis sozusagen... Schlüsselerlebnisse kommen hoffentlich auch noch.
Morgen geht es mit dem Bus einige Stunden, ich vermag noch nicht zu sagen wie
viele, weiter nach Sucre. Ich werde berichten.
Bis dahin!
Clara
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