Es war einmal...
An einem wunderschönen Sonntag Nachmittag entschlossen sich drei deutsche Touristinnen mit zwei bekannten Bolivianerinnen eine kleine Wandertour zu unternehmen. Zu einem Aussichtspunkt von dem sich die ganze Stadt, in der sie wohnten, überblicken ließ. Der Aufstieg führte über zerrüttete Treppenstufen durch eine ärmliche Gegend. Kleine Hütten am steilen Berghang. Die Aussicht ; unbezahlbar. Je höher sie kamen, desto mehr kleine Hügel und Bergfalten taten sich vor ihren Augen auf. Die Stadt lag idyllisch in dem Tal durch welches sich tatsächlich auch ein Fluss schlängelte. Die Sonne tauchte, dass ganze in ein warmes Licht, bevor sie endgültig hinter einem Berg verschwinden würde. Genau wie der Fluss, plätscherten die Unterhaltungen dahin. Natürlich durfte auch die von den Bolivanern geliebte, pappsüße Cola als kleine Erfrischung nach dem halbstündigen Spaziergang nicht fehlen. Diese wurde zuvor an einer der tiendas, kleinen kioskartigen Verkaufsständen, inklusive einiger Plastikbecher gekauft. Die Stimmung war ausgelassen. Der Platz schien ein beliebter Jugendtreffpunkt zu sein denn um die Mädchengruppe tummelten sich noch ein paar Pärchen und andere Grüppchen. Mit der Zeit leerte sich der Platz. Einige Jungen hatten sich wenige Meter von den Mädchen entfernt platziert und schienen sich, genau wie sie, einen entspannten Nachmittag zu machen. Dachten sie.
Bis die drei Jungen mit erhobenen Messerklingen auf sie zugingen und alle Wertsachen einforderten. Eine Sache von wenigen Sekunden. Sie hatten nicht mal Zeit Angst zu verspüren. So schnell ging es. Taschen, Handys und eine Kamera wurden ihnen entrissen. Geistesgegenwärtig fragte die Fotoliebhaberin unter ihnen, ob sie nicht wenigstens die Speicherkarte behalten könne, und erntete dafür eine drohende Gebärde mit dem Messer. Es hatte keinen Sinn. Die Drei stoben davon und waren schnell über alle Berge. Nach Sekunden von perplexem Verarbeiten der Situation versuchten sie den Fluchtweg der Jungen nachzuvollziehen. Fehlanzeige. Anrufe bei der Polizei landeten im Nichts. Dann hieß es also den Berg herunterzulaufen und mit einem Taxi zur Polizei zu fahren. Erster Stopp: falsche Polizei. Also zu Fuß weiter. Bei der vermeintlich richtigen Anlaufstelle erwartete sie Menschenleere. Schließlich war Sonntag. Glücklicherweise erwies sich eine Tür tatsächlich als geöffnet. Sie landeten im Warteraum. Und warteten.
Und weil sie nicht gestorben sind, warten sie noch heute auf neue Erkenntnisse...
Was sich wie der Plot eines schlechten Films anhört, ist uns gestern leider wirklich passiert. Bitte versteht mich nicht falsch. Natürlich ist es schade das Klischee von Bolivien als unsicheres Land ,welches in vielen Köpfen vorherrscht, bestätigt zu sehen. Trotz dieses negativen Vorfalls fühlt man sich aber immer noch wohl hier. Die Stadt ist normalerweise wirklich ruhig und sicher. Wir waren eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Kamera hätte Zuhause bleiben sollen und auch eine größere Gruppe hätte hergemusst. Wie ihr euch denken könnt, bin ich die Fotoliebhaberin aus meiner kleinen Geschichte. Was ebenfalls bedeutet, dass in der nächsten Zeit erst mal keine Bilder mehr von mit gepostet werden können. Es gehen einem ziemlich viele Szenarien durch den Kopf was man hätte anders machen können. Ändern tut das nichts. Das Wichtigste ist, dass wir gesund sind ...
Bis bald!
Clara
Clara
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