New shoes
Halbzeit. Das Mittelseminar war der Beweis. Die letzten Monate nochmal Revue passieren lassen und erkennen, wer sich wie verändert hat. Vor allem man selbst. Das altbekannte Hostel versetzte einen doch das eine oder andere mal in die Anfangszeit zurück. Was für Empfindungen man hegte. Ängste ; Zweifel ; Erwartungen. Manches mag nun komplett ungerechtfertigt wirken, während andere Aspekte unterschätzt wurden. Es ist schon interessant sich selbst beim Anpassungsprozess an ein neues Leben zuzuschauen. Es lässt sich ganz gut mit einem neuen Paar Schuhe vergleichen. Am Anfang ungewohnt und ab und zu mit Schmerzen verbunden... Im Endeffekt aber eine Bereicherung und nach ein paar Monaten Eingewöhnungszeit ein nicht wegzudenkender Teil des Repertoires, mit dem man noch so holprige Wege des Lebens sicher beschreiten kann.
Die letzten Wochen führte mich der buchstäblich holprige Weg in die Region Oruro. Dort fand mal wieder eine "Lentes al Instante" Kampagne statt, bei der ich mitarbeitete. Wer nochmals mehr zu den Kampagnen und dem Projekt erfahren möchte, kann sich gerne diese Radioreportage anhören oder den dazugehörigen Fernsehbeitrag anschauen. Über zwei Wochen lang fuhren wir in einem Kleinbus von Dorf zu Dorf, wo wir täglich 80 Menschen die Augen ausmaßen. Bei den, für meinen verwöhnten Po, eiskalten Temperaturen natürlich im Zwiebel-Look. Nicht zu vergessen ist ebenfalls der Tomaten-Look , den mir die Höhensonne und die ungewohnte Kälte fast täglich verpassten. Trotz teilweise abenteuerlichen Nächten auf Krankenhausbetten oder Strohmatratzen, war es schön so viele neue Orte Boliviens kennen zulernen. Nicht nur die großen Städte sondern Dörfchen, bei denen man im Traum nicht an einen Besuch gedacht hätte. Spätestens als mitten bei der Vermessung ein Baby-Lama ins Krankenhaus spazierte, fiel auf wie sehr sich die dörfliche Atmosphäre von der städtischen unterscheidet. Irgendwie so entschleunigt. Doch auch die entspannte Lebensweise kann die unschönen Seiten des Lebens auf dem Dorf nicht immer kaschieren. Heruntergekommene Lehmhäuser, abgefahrene Straßen und eine teils erdrückende Leere. Trotzdem war es jeden Tag brechend voll bei uns.
Zwischen den anstrengenden Arbeitstagen hatten wir aber auch Zeit die Stadt Oruro zu erkunden, die vielen Dörfern mit ihrer Trostlosigkeit in nichts nachsteht. Aber man macht das beste draus... Spontane Fahrten zum Uro-Uro See, vorbei an zahlreichen Flamingos, die mit in schlammgetränkten Schuhen endeten zum Beispiel. Dafür wurden wir auf der Fahrt per Anhalter zurück in die Stadt mit einem wunderschönen Regenbogen belohnt. Außerdem entdeckten wir am gleichen Tag noch geniale Waffelbällchen auf dem Markt, die den Tag süß abrundeten.
Eigentlich war das Wochenende zum entspannen gedacht. Als uns dann aber auffiel, dass Oruro nur wenige hundert Kilometer von der größten Salzpfanne der Welt entfernt liegt , änderten sich unsere Pläne. Samstag hieß es also früh aus den Federn und auf zum "Salar de Uyuni". Das heißt, wir waren bereit, das Sammeltaxi aber leider noch nicht voll. Nach geschlagenen anderthalb Stunden Wartezeit ging es dann aber doch los. Ohne vorheriger Buchung kamen wir pünktlich eine Stunde vor Tourbeginn an. Ach, wie ich sie liebe, die Spontanität. Tatsächlich hatten wir sogar noch Zeit zu frühstücken, bevor wir uns mit einer buntgemischten, südamerikanischen Truppe zum Spiegel aufmachten. Pfanne? Spiegel? Salz? Was denn jetzt?
Normalerweise könnte man den Salar als Salz-Wüste bezeichnen. Wohin das Auge reicht nichts als Salz. In der Regenzeit jedoch verwandelt sich die Riesenfläche in einen einzigen Spiegel. Man fühlt sich wie gefangen in einer optischen Täuschung, denn Himmel und Wasser sind nicht voneinander zu unterscheiden. Absolut unwirklich und kaum mit Worten zu beschreiben. Deswegen versuche ich es gar nicht erst.
Bis bald!
Clara
Bis bald!
Clara





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