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Die Reiselust hat mich mal wieder gepackt. Der Auslöser dafür ist die "Lentes al Instante"-Kampagne, auf der ich mich die letzten zwei Wochen befand. Aus meinem Alltag in Camiri ging es per Flota, also einem Reisebus, nach Santa Cruz, wo ich die restliche Crew traf und eine Nacht verbrachte. Bevor wir am nächsten Tag zu unserem eigentlichen Ziel aufbrachen, ging ich, die angenehme Angebots Situation in solch einer Großstadt ausnutzend, nochmal Proviant einkaufen. Normalerweise kauft man hier in Bolivien ja fast alles auf dem Markt. Nicht aber, wenn man in Santa Cruz neben einem riesen Super- ach was sag ich - Megamarkt wohnt. Mir fielen wirklich fast die Augen aus dem Kopf als ich das Teil betrat. Also eine ähnliche Dimension wie Walmart in Amerika. Mindestens. Sowas hatte ich hier wirklich nicht erwartet. Und das war nicht alles. Das Angebot war gigantisch. Von Europäischen bis zu Amerikanischen Produkten wirklich alles dabei. Der ganze Stolz meiner Shoppingtour war eine ein-Kilogramm Tafel meiner südamerikanischen Lieblingsschokolade. Tatsächlich habe ich es geschafft zwei Wochen lang zu widerstehen, um sie mit meiner Wg zu teilen. 

Nach diesem einmaligen Einkaufserlebnis ging es Nachmittags weiter nach Guarayos. Am Abend wurden wir von Einheimischen, während wir auf den Rest der Truppe warteten, freundlich mit einem Bierchen empfangen und fielen danach geschafft ins Bett. Am nächsten Tag ging es nämlich früh los mit unserer Kampagne. Die Information hatte sich schnell im Ort herumgesprochen und vor allem die ersten paar Tage erwartete uns mächtig Arbeit. So hieß es also jeden Tag Leute registrieren, Augen ausmessen und Brillen anpassen. Nebenbei natürlich noch Verständnisprobleme auf beiden Seiten lösen und und und... Dabei geduldig zu bleiben und immer mit einem Lächeln auf die Menschen zuzugehen war nicht immer einfach. Nach und nach entwickelt man aber tatsächliche eine unglaubliche Geduld. Fast schon eine Engelsgeduld. Ab diesem Punkt macht es dann wirklich Spaß. Auf einmal ist es egal, ob man nun fünfzehn oder fünf-und-vierzig Minuten für eine Refraktion braucht. Ob man den Arm zum Probieren verschiedener Stärken fünf, oder zehn Minuten oben hält und die Muskeln anfangen zu brennen. Und auch egal; ob man bei einer Hitze von 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent in langer Hose und Kittel arbeitet. Das Lächeln der Menschen, die teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben richtig sehen können, macht das alles irgendwie erträglich. Ebenso wie die Dankbarkeit, die man entgegengebracht bekommt. Jede Zeile, die die Menschen auf den Lesekarten weiterkommen, ist ein Erfolgserlebnis. Wahrscheinlich schwer nachvollziehbar für jeden, der es noch nie erlebt hat. Wie so vieles hier in Bolivien... ein Besuch lohnt sich also...


Bis bald!
Clara

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