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Es ist Mittwoch und wir befinden uns im Endspurt unserer Kampagne. Schon seit Samstag stehen unsere Türen in einem Raum am Mercado San Antonio für Menschen mit Augenproblemen offen. Jeden Tag können wir so ungefähr achtzig Menschen einen kostenlosen Sehtest ermöglichen.

Zusammen mit der Organisation HI-Bolivien ist das von Martin Aufmuth gegründete EinDollarBrille Projekt seit 2013 auch in Bolivien aktiv. Durch günstige Produktionskosten ist es möglich die Sehhilfen für wenig Geld an Einwohner, zu verkaufen. Außerdem werden durch die Gründung von Produktionsstätten im Land Ausbildungsplätze und Arbeitsstellen geschaffen. Die Brillengestelle bestehen aus Federstahldraht und sind deswegen sehr flexibel. Die Gläser werden anders als der Draht nicht in Deutschland, sondern in China angefertigt, bestehen aus Polycarbonat und sind deswegen sehr robust. Alle Materialien unterliegen regelmäßigen Qualitätskontrollen in Deutschland und werden danach in das jeweilige Land verschickt, wo sie mit speziellen Brillenbiegemaschinen weiterverarbeitet werden. Nach einem ausgiebigen Sehtest werden die benötigten Gläser am Ort der Kampagne eingesetzt und die Brille ihrem Träger angepasst.

Obwohl die Brillen in deutschen Normen für wenig Geld verkauft werden, ist es ganz schön heftig zu sehen, wie stark sich die Wahrnehmung der Preisverhältnisse unterscheidet. Eigentlich eine vorauszusehende Erkenntnis, weil ich mich in einem der wirtschaftlich schwächsten Länder Südamerikas befinde. Trotzdem schockt es mich. Der Preis einer Brille für einen Erwachsenen beträgt hier 80 Bolivianos, was im jetzigen Kurs, 9,95 Euros sind. Das entspricht dem durchschnittlichen Tageseinkommen der Bolivianer. Mit dem Preis welchen Erwachsene bis 59 Jahre bezahlen werden Gratisbrillen für Kinder und Menschen mit Behinderungen ermöglicht. Auch Menschen über 60 Jahre zahlen statt des Vollpreises nur die Hälfte. Obwohl es für viele nicht einfach ist, das Geld aufzubringen ist der Andrang riesig und die Gesichter umso glücklicher, wenn sie endlich ihre Brille in den Händen halten.

Vielen konnten wir helfen und ihnen eine neue Brille anpassen. Allerdings war bei einigen Anderen die Enttäuschung auf beiden Seiten groß. Bei Krankheiten wie Hornhautverkrümmung, Grauer Star oder Bindehautwucherungen am Auge können die Brillen leider nicht helfen. Dem Patienten nach einer Messung zu erklären, dass sie zum Augenarzt oder Optiker müssen damit ihre Sicht besser wird, ist nicht immer einfach. Das bedeutet nämlich im Umkehrschluss, dass große Kosten auf sie warten. Die Devise lautet aus diesem Grund: "Wir können nicht allen, aber wir können einem Großteil helfen" 

Und das ist irgendwie auch ein gutes Gefühl...

Clara


Quellen:
http://www.hostellingbolivia.org/brillenhilfe-fuer-jedermann/
https://de.wikipedia.org/wiki/EinDollarBrille



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